
Bild: Klareis an einem kleinen Gebirgsbach
Der bisherige Oktober war ein Wechsel zwischen Hoch- und Tiefdruckgebieten. In den nächsten Tagen wird uns wieder ein Hoch beschäftigen, “ihr” Name: Ulla. Im Hochdruckeinfluss entsteht bei kalten Nachttemperaturen oftmals Reif, darum gibt es hier eine kleine Erklärung wie sich Reif bildet, und welche Arten es gibt.
Warme Luft kann generell mehr Wasser in Form von Luftfeuchtigkeit binden. Wenn sich Nachts diese warme Luft abkühlt, ist irgendwann der Punkt erreicht, wo der Wasserdampf nicht mehr vollständig als Gas in der Luft gehalten werden kann. Diesen Punkt nennt man Taupunktstemperatur. Liegt diese über dem Gefrierpunkt bildet sich Tau oder Nebel, liegt sie unter Null Grad Celsius können sich in der Luft zwar immer noch Nebeltröpfchen bilden, an vielen Gegenständen setzt sich aber Reif ab.
Beim Reif kann man Strahlungsreif und Advektionsreif unterscheiden. Beim Advektionsreif kann man gut die kristalline Struktur erkennen, da bei dieser Art von Reif Wind vorhanden war, und die Kristalle gegen die Windrichtung gewachsen sind. Strahlungsreif entsteht in wolkenlosen windstillen Nächten und wird nur durch die Auskühlung selbst gebildet. Es sieht dann alles aus als wäre es mit feinem Puderzucker bezogen.
Die meteorologisch als Reif bezeichnete Ablagerung entsteht also, wenn besagter Taupunkt erreicht wird und dieser unter dem Gefrierpunkt liegt. Man unterscheidet aber in der Fachsprache Reif, Raureif, Raufrost, gefrorenen Tau und Klareis. Raureif bildet sich bei leichtem Nebel, mindestens 90% relativer Luftfeuchtigkeit und unter -8 °C. Er bildet sich durch einen Prozess namens Resublimation (dabei geht gasförmiges Wasser direkt in den festen Zustand über, ohne flüssig zu werden). Raufrost, oder auch Raueis genannt, bildet sich durch sogenannte unterkühlte Nebelwassertröpfchen. Diese sind flüssige Wassertröpfchen bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Wie kann das gehen? Man weiß doch: Wasser gefriert bei unter 0 °C!!! In der Atmosphäre brauchen flüssige Wassertropfen aber irgend ein Partikel (Eiskristall, Sand, uvm…) um auskristallisieren zu können (so bilden sich beispielsweise auch Kondensstreifen hinter Flugzeugen, der Abgasstrahl gibt der übersättigten unterkühlten Luft Gelegenheit Eiskristalle zu bilden). Raueis ist also genau so ein Fall, es wartet bis es auf irgendetwas trifft um kristallisieren zu können. Wenn es also beispielsweise einen Ast trifft, dann kann es sich dort auskristallisieren. Es zeichnet sich durch eine gleichmässige Schicht Eises aus, welches aber viele Lufteinschlüsse besitzt und mitunter Äste knicken kann wegen der zusätzlichen Gewichtsbelastung, nicht zu verwechseln mit Klareis: Dieses lagert sich wie Raufrost bevorzugt an Ästen und ähnlichem an. Es bildet sich aber bevorzugt an Pflanzenästen über sprudelnden Fliessgewässern, wo Sprühnebel, Gischt und sporadische Wassertropfen die Äste erreichen. Erkennen kann man Klareis gut durch seine typische Eiszapfenform. Die letzte Form die man noch unterscheiden kann ist gefrorener Tau. Dieser bildet sich, wenn in der Nacht Tau abgelagert wird, und dann in den frühen Morgenstunden vor Sonnenaufgang der Gefrierpunkt überschritten wird. Die Tauperlen gefrieren dann und an Grashalmen hängen kleine Eisperlen.